Untersteuern in der Formel 1: Was bedeutet das?

Von Untersteuern spricht man, wenn ein Formel-1-Auto in einer Kurve an der Vorderachse früher die Haftung verliert als an der Hinterachse. Die Vorderräder können die gewünschte Richtung nicht mehr vollständig vorgeben und das Auto schiebt über die Vorderachse nach außen. Der tatsächliche Kurvenradius wird dadurch größer als vom Fahrer beabsichtigt.

Vereinfacht gesagt: Der Fahrer lenkt ein, aber das Auto dreht nicht stark genug ein.

Wie entsteht Untersteuern?

Untersteuern entsteht, wenn die Vorderreifen nicht genügend Haftung aufbauen können, um die erforderlichen Seitenführungskräfte zu übertragen. Dafür gibt es verschiedene mögliche Ursachen.

Fährt der Fahrer beispielsweise mit zu hoher Geschwindigkeit in eine Kurve, können die Vorderreifen ihre Haftungsgrenze überschreiten. Auch ungünstige Reifentemperaturen, Reifenverschleiß oder die Fahrzeugabstimmung können Untersteuern begünstigen.

In der Formel 1 spielt außerdem die Aerodynamik eine wichtige Rolle. Fehlt Abtrieb an der Vorderachse, können die Vorderreifen weniger Seitenführung erzeugen. Das kann insbesondere beim Hinterherfahren auftreten: In der verwirbelten Luft eines vorausfahrenden Autos verändert sich die aerodynamische Wirkung des eigenen Fahrzeugs. Dadurch kann das Auto stärker zum Untersteuern neigen.

Wie reagiert der Fahrer?

Die intuitive Reaktion wäre, bei Untersteuern einfach stärker einzulenken. Das hilft jedoch häufig nicht. Haben die Vorderreifen ihre Haftungsgrenze bereits überschritten, kann zusätzlicher Lenkwinkel das Problem sogar verstärken.

Stattdessen muss der Fahrer die Belastung der Vorderreifen reduzieren und ihnen ermöglichen, wieder Haftung aufzubauen. Je nach Fahrsituation kann das beispielsweise durch eine Verringerung der Geschwindigkeit oder ein leichtes Öffnen der Lenkung geschehen.

Untersteuern kostet vor allem deshalb Rundenzeit, weil das Auto nicht der gewünschten Linie folgt. Der Fahrer kann den Scheitelpunkt einer Kurve verpassen und muss länger warten, bevor er wieder voll beschleunigen kann.

Untersteuern und Übersteuern

Das Gegenstück zum Untersteuern ist Übersteuern. Dabei verliert die Hinterachse früher die Haftung und das Heck beginnt nach außen zu rutschen.

Der Unterschied lässt sich vereinfacht so beschreiben:

Untersteuern: Die Vorderachse rutscht – das Auto fährt einen größeren Kurvenradius als gewünscht.

Übersteuern: Die Hinterachse rutscht – das Auto dreht stärker ein als gewünscht.

Ob ein Formel-1-Auto eher zum Unter- oder Übersteuern neigt, hängt unter anderem von Fahrzeugabstimmung, Aerodynamik, Reifen, Streckenbedingungen und Fahrstil ab. Die richtige Fahrzeugbalance ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Set-up-Arbeit eines Formel-1-Teams.