Longrun in der Formel 1: Was bedeutet das?

Ein Longrun ist in der Formel 1 eine längere Serie von aufeinanderfolgenden Runden im Freien Training. Dabei geht es nicht um die schnellstmögliche einzelne Rundenzeit, sondern vor allem darum, das Verhalten des Autos und der Reifen über einen längeren Zeitraum zu untersuchen. Longruns liefern deshalb wichtige Hinweise auf die mögliche Rennpace.

Wozu dient ein Longrun?

Während eines Longruns fährt ein Fahrer meist mehrere Runden am Stück mit demselben Reifensatz. Das Team kann dadurch beobachten, wie sich Rundenzeiten, Reifen und Fahrzeugverhalten mit zunehmender Distanz verändern.

Besonders wichtig ist der Reifenabbau, häufig auch als Degradation bezeichnet. Dabei wird untersucht, wie stark die Performance eines Reifens über mehrere Runden nachlässt. Gleichzeitig sammeln die Ingenieure Daten über Reifentemperaturen, Fahrzeugbalance, Energieverbrauch und weitere Parameter.

Auch unterschiedliche Set-up-Varianten lassen sich auf diese Weise bewerten. Ein Auto kann auf einer einzelnen schnellen Runde gut funktionieren, über eine längere Distanz aber beispielsweise stärker zu Untersteuern oder Übersteuern neigen.

Longrun und Rennsimulation

Häufig wird ein Longrun als Rennsimulation bezeichnet. Beide Begriffe sind eng miteinander verbunden, aber nicht vollkommen identisch. Ein Longrun beschreibt zunächst nur eine längere zusammenhängende Fahrt. Bei einer Rennsimulation versucht das Team gezielt, Bedingungen des Rennens nachzubilden.

Dazu gehören unter anderem eine entsprechende Kraftstoffmenge und eine Reifenmischung, die auch für einen Rennstint infrage kommt. Ein Stint bezeichnet den Abschnitt eines Rennens zwischen dem Start und einem Boxenstopp beziehungsweise zwischen zwei Boxenstopps.

Die tatsächliche Kraftstoffmenge eines Autos ist von außen allerdings nicht bekannt. Deshalb lassen sich die Longruns verschiedener Fahrer nur eingeschränkt direkt miteinander vergleichen.

Warum sind Longrun-Zeiten schwer zu vergleichen?

Die reine Rundenzeit verrät bei einem Longrun nur einen Teil der Geschichte. Neben der unbekannten Kraftstoffmenge beeinflussen unter anderem Reifenmischung, Reifenalter, Streckentemperatur, Verkehr und das jeweilige Fahrprogramm die Zeiten.

Auch der Zeitpunkt innerhalb eines Trainings spielt eine Rolle. Eine Strecke entwickelt im Laufe einer Session häufig mehr Grip, während sich gleichzeitig Wetter- und Temperaturbedingungen verändern können.

Aussagekräftiger als eine einzelne Runde ist deshalb häufig der Durchschnitt über mehrere vergleichbare Runden. Ebenso interessant ist die Entwicklung der Zeiten: Bleiben sie relativ konstant, deutet das auf einen kontrollierten Reifenabbau hin. Werden sie deutlich langsamer, kann eine stärkere Degradation vorliegen.

Wann werden Longruns gefahren?

Longruns finden vor allem im Freien Training statt. Bei einem Grand-Prix-Wochenende im Standardformat stehen nach dem aktuellen FIA-Reglement mehrere Trainings zur Verfügung. Bei Wochenenden mit alternativem Format ist die Trainingszeit dagegen deutlich stärker begrenzt.

Teams müssen ihre Programme deshalb sorgfältig planen und zwischen Arbeiten an der Qualifying-Pace, Set-up-Vergleichen und längeren Rennsimulationen abwägen.

Der Longrun gehört damit zu den wichtigsten Werkzeugen der Rennvorbereitung. Seine Daten helfen dabei, die Reifenstrategie einzuschätzen, das Set-up zu optimieren und ein möglichst genaues Bild davon zu gewinnen, wie konkurrenzfähig ein Auto über eine Renndistanz sein könnte.