Halo in der Formel 1: Was ist der Cockpitschutz?
Halo ist eine Schutzvorrichtung über dem Cockpit eines Formel-1-Autos, die vor allem den Kopf des Fahrers bei Unfällen schützen soll. Die aus Titan gefertigte Struktur gehört seit der Saison 2018 zur vorgeschriebenen Sicherheitsausrüstung der Formel 1 und ist fest mit der Überlebenszelle des Fahrzeugs verbunden.
Charakteristisch für Halo ist die Form: Eine gebogene Struktur verläuft um und über den Kopf des Fahrers. Vorne wird sie durch eine zentrale Strebe abgestützt. Trotz dieser Strebe bleibt das Cockpit nach oben weitgehend offen.
Wovor schützt Halo?
Halo soll verhindern, dass größere Gegenstände direkt auf den Kopf des Fahrers treffen. Dazu zählen beispielsweise abgerissene Räder oder größere Fahrzeugteile. Auch bei Kollisionen mit einem anderen Auto oder mit Streckenbegrenzungen kann die Konstruktion einen direkten Kontakt mit dem Kopf verhindern oder die auftretenden Kräfte ableiten.
Die FIA untersuchte vor der Einführung verschiedene Szenarien und unterschiedliche Systeme zum Schutz des Cockpits. Dazu gehörten neben Halo auch Lösungen mit einer transparenten Schutzscheibe. Nach umfangreichen Tests entschied sich der Automobil-Weltverband für Halo, weil dieses System insgesamt den besten Schutz bot.
Erste Erprobungen auf der Rennstrecke fanden bereits vor der verpflichtenden Einführung statt. 2016 und 2017 absolvierten verschiedene Fahrer und Teams Trainings- und Testfahrten mit dem System. Für die Saison 2018 wurde Halo schließlich vorgeschrieben.
Wie stabil ist Halo?
Halo wird aus hochfestem Titan gefertigt. Die eigentliche Struktur wiegt etwa sieben Kilogramm und muss extrem hohen Belastungen standhalten. Bei den von der FIA vorgeschriebenen Prüfungen wirken Kräfte von bis zu 125 Kilonewton auf die Konstruktion und ihre Befestigungspunkte.
Damit zählt Halo zu den stabilsten Bauteilen eines Formel-1-Autos. Die Einführung erforderte deshalb auch Anpassungen an der Überlebenszelle. Die Teams mussten sicherstellen, dass nicht nur die Titanstruktur selbst, sondern auch deren Befestigung die vorgeschriebenen Belastungen verkraftet.
Aerodynamisch ist Halo ebenfalls relevant. Die Struktur liegt mitten im Luftstrom zum Bereich hinter dem Cockpit und kann insbesondere die Anströmung der Airbox beeinflussen. Deshalb dürfen die Teams innerhalb enger Vorgaben kleine aerodynamische Verkleidungen anbringen.
Warum war die Einführung umstritten?
Vor der Einführung wurde Halo vor allem wegen der Optik und möglicher Einschränkungen der Sicht kritisiert. Die zentrale Strebe befindet sich aus Sicht des Fahrers unmittelbar vor dem Cockpit. Tests ergaben jedoch, dass die Sicht während der Fahrt ausreichend bleibt. Für die Saison 2018 passte die FIA unter anderem die Position der Startampeln an, damit diese auch aus den unterschiedlichen Startpositionen gut erkennbar waren.
Die Diskussion über Halo veränderte sich auch durch mehrere schwere Unfälle. Beim Grand Prix von Bahrain 2020 durchbrach Romain Grosjeans Haas eine Leitplanke. Halo trug dazu bei, den Kopfbereich beim Eindringen des Autos in die Barriere zu schützen.
Beim Grand Prix von Italien 2021 landete Max Verstappens Red Bull nach einer Kollision teilweise auf dem Mercedes von Lewis Hamilton. Auch dabei hielt Halo das andere Fahrzeug vom Kopfbereich fern.
Beim Grand Prix von Großbritannien 2022 überschlug sich Zhou Guanyus Alfa Romeo nach dem Start und rutschte kopfüber über die Strecke und in die Streckenbegrenzung. Der Unfall unterstrich erneut die Bedeutung des zusätzlichen Schutzes rund um das offene Cockpit.
Halo kann Verletzungen nicht bei jeder denkbaren Unfallkonstellation verhindern. Das System hat jedoch eine zuvor weitgehend ungeschützte Zone eines Formel-1-Autos deutlich sicherer gemacht und gehört inzwischen zu den wichtigsten Sicherheitseinrichtungen moderner Monoposto-Rennwagen.
